Grillen, Steaks und Amazonasbrände

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Amazonas Brände

Sehr viel war in den letzten Wochen zu lesen über die umfassenden Waldbrände im Amazonasgebiet. Viel Kritik am Brasilianischen Präsidenten und anderen Politikern, an den Holzfällerunternehmen und Brandrodern. Weniger Kritik gab es an unseren Lebensumständen. Und auch auf vielen Grillparties wurden die schrecklichen Waldbrände diskutiert und bedauert.

Viel war die Rede von der Lunge der Erde, von den Indianerstämmen die dort leben und davon das gerade das Amazonasbecken das größte Labor der Pharmaunternehmen für neue und hoffnungsvolle Medikamente ist. Natürlich gab es auch Kritik daran, dass dort in Brasilien Wald gerodet wird um Soja anzubauen, das als Viehfutter für unseren Fleischbedarf dient.

Wer im Glashaus sitzt…

Sicher diese massiven Waldbrände in einem der ökologisch wichtigsten Gebiet der Erde sind dramatisch. Aber sind tatsächlich wir diejenigen die mit dem Finger auf andere zeigen können? Können wir die Schuldigen an diesem Drama wirklich benennen, ohne uns selbst einzubeziehen?

Wir, die Menschen in den Industrienationen, leben schon seit langem und immer noch auf Kosten von anderen Menschen, den Menschen in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Wir haben schon sehr früh in jedem Jahr unseren Anteil an den weltweiten Ressourcen verbraucht, machen dann aber fröhlich weiter, so als wäre nichts gewesen. Und das geht schon seit mindestens 200 Jahren so. Sklaven aus Afrika für Amerikanische Baumwollfarmer, Kolonien für europäische Kaiser- und Königreiche um billig an Rohstoffe zu kommen, Imperialistische Kriege auf der ganzen Welt um sich Ressourcen zu sichern. So sah die Welt bis Mitte des letzten Jahrhunderts noch aus und die so geschaffenen Strukturen bestimmen bis heute wer die Rohstoffe anbauen, oder fördern darf und wer sie verbraucht. Die Globalisierung ist sicher friedlicher und braucht keine „heissen“ Kriege mehr. Die Ergebnisse und Auswirkungen wie Hunger, Armut und Kindersterblichkeit haben sich für für viele Menschen nur marginal verändert.

Soja führt zu Tierqual und billigen Grillrippchen

 

Brasilien ist einer der größten Lieferanten für Tierfutter, mit dem in Europa und anderswo Tier gemästet werden. Wir sprechen hier also nicht von Kühen auf der Weide. Die fressen Gras und bekommen vielleicht Soja als Beifutter. In erster Linie sprechen wir von den bedauernswerten Geschöpfen die nie die Sonne sehen, im Stall auf minimalen Flächen angebunden oder eingepfercht sind und mit Soja so schnell wie möglich zur Schlachtreife gemästet werden.

Fleisch ist eines der billigsten Nahrungsmittel

Die Folgen sehen wir in den Kühltheken der Supermärkte. Abgepacktes Fleisch zu Preisen die einfach nur absurd sind. Wenn man bei den meisten Angeboten einmal nachrechnet was die einzelne Bratwurst kostet und berücksichtigt, dass von diesem Geld ein Tier aufgezogen und gefüttert werden muss, geschlachtet wird, das Fleisch verarbeitet, die Wurst mit Gewürzen und anderm versehen hergestellt werden muss, sie gekühlt, gelagert und transportiert wird und zum Schluss auch die Werbung und das Personal im Supermarkt anteilig davon bezahlt wird, dann kann man erahnen worum es sich eigentlich handelt. Um Müll.

Mal ernsthaft, bei Lidl zum Beispiel gibt es aktuell 12 Grillbratwürste à 90 Gramm für 3,99€. Das sind 0,33€ pro Bratwurst und ganze 3,69€ pro Kilogramm. Was soll da noch drin stecken?? Solche Würste landen viel zu oft dann auf dem tollen Weber-Grill für 700€ und mehr.

Die gesundheitlichen Folgen sind dramatisch

Die Folgen dieser Entwicklung sind massenhafter Fleischkonsum in den Industrienationen, zerstörte Umwelt und massive Armut in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Das bleibt auch für uns nicht folgenlos. Wir fressen uns im wahrsten Sinne des Wortes kaputt.

Viele, wenn nicht die meisten, unserer sogenannten Volkskrankheiten stehen in einem engen, oder unmittelbaren Zusammenhang mit dem stetig steigenden Fleischkonsum.

Übergewicht, Bluthochdruck, Autoimmunkrankheiten, Krebs, Herzinfarkte, Schlaganfälle, Rheuma, Metabolisches Syndrom, Allergien und und und haben einen mehr oder weniger direkten Bezug zu einem deutlich zu hohen Fleischkonsum.

Vegetarier/Veganer erleiden seltener Herzinfarkte

Das ist die Erkenntnis einer Studie des EPIC-Oxford, des britischen Teils der „European Prospektive Investigation into Cancer and Nutrition“ mit 48.188 Teilnehmern.

Danach erleiden Veganer, Vegetarier und auch Pescetarier (also diejenigen die kein Fleisch, aber (ab und zu) Fisch essen) erheblich weniger Herzinfarkte als Fleischesser.

Es lohnt sich auf Fleisch zu verzichten

Es gibt so viele Gründe auf Fleisch zu verzichten. Das Wohl der Tiere, die Umwelt, das Karma, die Gesundheit.

Ist es wirklich OK Lebewesen aufzuziehen nur um sie dann zu töten und zu essen? Diese Frage beantwortet sicher jeder anders. Im Wesentlichen ist es aber ein kulturelle Frage, die mit unserer Erziehung über Generationen zu tun hat. Eines ist aber sicher. Müssten die Menschen bei uns die Tiere selber schlachten, würden die allermeisten kein Fleisch mehr essen. Wir haben das Fleisch auf dem Teller vollkommen von seinem Entstehungsprozess abgekoppelt. Sonst wären Massentierhaltung und massenhafter Fleischkonsum nicht möglich.

Die Umwelt leidet nicht nur am Amazonas

Die Umweltschäden durch (Massen-) Tierhaltung bei uns sind gigantisch. Mit Nitrat verseuchtes Grundwasser und Trinkwasser, multiresistente Keime, Gentechnik auf den Feldern auf denen Futter angebaut wird und vieles mehr.

Jeder Tag ohne Fleisch ist ein Gewinn für unsere Gesundheit

Auch den Fleischkonsum einzuschränken hilft schon gesundheitliche Risiken zu verringern. Ein, zwei, drei fleischfreie Tage in der Woche senken Risikofaktoren und verbessern Blutwerte. Das ist auch durch zahlreiche Studien belegt. Wer ganz auf Fleisch verzichtet wird schnell die positiven Auswirkungen auf die Gesundheit spüren.

Axel Steller

Axel Steller

Medizinjournalist und Buchautor

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